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SC Cottbus – Zwischen Weltklasse und knappen Entscheidungen

Der SC Cottbus Turnen gehört seit vielen Jahren zu den großen Marken des deutschen Gerätturnens. Mehrfacher Deutscher Meister, langjähriger Finalteilnehmer und einer der wichtigsten Ausbildungsstandorte Europas – kaum ein Verein verbindet Tradition und internationale Klasse so konsequent wie Cottbus. 2025 steht die Mannschaft erneut im kleinen Finale der Deutschen Turnliga. Nachdem am letzten Wettkampftag alle Entscheidungen gefallen waren, bestätigte auch die DTL-Homepage: „Saar und Cottbus stehen im kleinen Finale.“ Damit trifft Cottbus in Heidelberg auf genau den Gegner, dem man am fünften Wettkampftag klar mit 32:44 unterlegen war – ein Ergebnis, das im Finale eine besondere Konstellation schafft.

Dass Cottbus dennoch im Endkampf um Bronze steht, ist kein Zufall. Die Saison der Brandenburger war geprägt von großen Momenten, aber auch von hauchdünnen Entscheidungen. Besonders am sechsten Wettkampftag zeigte die Mannschaft, wie konkurrenzfähig sie ist: Gegen den späteren Finalisten TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau unterlag Cottbus nur äußerst knapp mit 34:35 Scorepunkten. Ein Duell, das genauso gut andersherum hätte ausgehen können und zeigte, dass Cottbus jederzeit in der Lage ist, gegen die stärksten Gegner mitzuhalten.

Superstar der Mannschaft ist ohne Zweifel der 20-jährige Ukrainer Radomyr Stelmakh. Er gewann mit dem ukrainischen Nationalteam bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris sensationell Mannschaftsgold und gilt als einer der spektakulärsten jungen Mehrkämpfer Europas. Stelmakh ist ein kompletter 6-Kämpfer mit spektakulärer Difficulty und perfekter Wettkampfausstrahlung. In der Bundesligasaison 2025 sammelte er herausragende 104 Scorepunkte – ein Wert, der ligaweit zur absoluten Spitze gehört und der Cottbus in zahlreichen Duellen im Rennen hielt. Seine Präsenz steigert die gesamte Mannschaftsleistung und macht Cottbus im Finale jederzeit brandgefährlich.

Doch Cottbus ist keineswegs nur Stelmakh. Mit Marios Georgiou, geboren in Zypern und internationaler Finalturner bei EM, WM und Olympia, besitzt Cottbus einen weiteren Ausnahmekönner. Georgiou turnte in der Saison 56 Scorepunkte und stärkte das Team besonders am Boden, Barren und Reck. Zusammen bilden Stelmakh und Georgiou eines der international stärksten Duos der gesamten Liga. Ergänzt wird diese Achse durch solide deutsche Leistungsträger wie Toma Schütze (24), Lukas Kochan (25) und Willi Leonhard Binder (22) – Turner, die keine spektakulären Schlagzeilen produzieren, aber an ihren Geräten zuverlässig liefern und genau jene Stabilität bringen, die für ein Finale entscheidend ist. Ihre Ausgangslage im kleinen Finale ist spannend: Einerseits verlor Cottbus das direkte Duell gegen Saar am 5. Wettkampftag deutlich. Andererseits haben die knappen Saisonresultate gezeigt, dass diese Mannschaft jederzeit gefährlich werden kann – besonders dann, wenn Stelmakh und Georgiou ihre Weltklasse auf die Fläche bringen und die übrigen Turner solide nachziehen. Cottbus verfügt über eine außergewöhnlich hohe Gerätestärke an Boden, Barren und Reck und kann in diesen Mannschaftsteilen deutlich punkten. Entscheidend wird sein, ob das Team die Schwächen aus dem ersten Saar-Duell ausgleichen, die Startreihenfolgen optimal setzen und die eigenen Hochgeräte perfekt nutzen kann. Gelingt all das, ist Cottbus absolut in der Lage, das kleine Finale offen – und vielleicht sogar erfolgreich – zu gestalten.

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