Du betrachtest gerade MTV Stuttgarts Titelserie wackelt – doch der Serienmeister bleibt gefährlich

MTV Stuttgarts Titelserie wackelt – doch der Serienmeister bleibt gefährlich

Der MTV Stuttgart gehört zu den traditionsreichsten und stärksten Mannschaften im deutschen Frauen-Gerätturnen und steht auch 2025 wieder im großen Finale der Deutschen Turnliga. Seit 2012 hat Stuttgart ununterbrochen den Meistertitel gewonnen – eine Rekordserie, die das Team zu einer festen Größe im deutschen Spitzenturnen macht. Doch dieses Jahr wird es schwieriger denn je, den Titel zu verteidigen. Der Kader ist sehr stark besetzt, doch Verletzungen und personelle Verschiebungen prägen die Saison stärker als in den Jahren zuvor.

Der Serienmeister muss in diesem Finale auf zwei seiner größten Talente verzichten. Helen Kevric, eine der weltweit stärksten Juniorinnen und Hoffnungsträgerin des deutschen Turnens, fällt nach ihrer schweren Knieverletzung bei der EM in Leipzig weiterhin aus; ihr Reha-Stand wird nicht öffentlich kommuniziert und ein Start gilt als nahezu ausgeschlossen. Kurz vor der Junioren-WM traf es zudem Madita Mayr, die sich eine Mittelhandfraktur zuzog und damit ebenfalls nicht einsatzfähig ist. Trotz dieser schmerzhaften Ausfälle verfügt Stuttgart weiterhin über starke Optionen. Die erst 13-jährige Maha Feniuk überzeugte zuletzt mit hervorragender Form und gilt als eines der größten Nachwuchstalente Deutschlands. Dazu kommen die 17-jährige Marlene Gotthardt und die 16-jährige Michaela Mühlhofer, die nach ihren Verletzungspausen wieder ins Rollen kommen und dem Team Stabilität geben können. Ein zusätzlicher Trumpf ist die italienische Gastturnerin Alexia Angelini, die beim letzten Wettkampf in Esslingen mit starken Übungen beeindruckte. Ein wichtiger emotionaler Faktor: Elisabeth Seitz, die erfolgreichste deutsche Kunstturnerin der vergangenen zwei Jahrzehnte, hat zu Jahresbeginn ihre Karriere beendet und ist inzwischen stolze Mutter geworden. Beim Finale dürfte sie dennoch als Unterstützerin ihres langjährigen Teams in der Halle sein.

Der Weg ins Finale zeigte ein gemischtes, aber kämpferisch starkes Bild: Zwei Mal turnte sich Stuttgart auf Rang zwei, zwei weitere Male wurde das Team von der TG Mannheim auf Platz drei verdrängt. Für den Serienmeister ungewohnt, aber ein klarer Hinweis darauf, dass die Liga enger zusammengerückt ist. Diese Saison war geprägt von Wechseln, Verletzungen und spontanen Anpassungen, aber auch davon, dass Stuttgart nie aufgab und trotz Rückschlägen verlässlich seine Finalqualifikation sicherte. Der MTV reist damit mit der Erfahrung eines Dutzend gewonnener Finals – aber mit der realistischen Einschätzung, dass 2025 kein Selbstläufer wird.

Wesentlicher Baustein für die Stuttgarter Zukunft ist das neue Trainerduo aus den USA: Aimee Boorman und LaPrise Harris-Williams haben die sportliche Leitung langfristig bis 2028 übernommen. Boorman war unter anderem persönliche Trainerin von Simone Biles und steht für technisch präzises, modernes Hochleistungscoaching. Harris-Williams bringt langjährige Elite-Erfahrung aus dem College-Turnen mit. Beide stehen für eine professionelle Trainingskultur, klare technische Linien und mentale Stärke – Faktoren, die schon jetzt Wirkung im Bundesligateam zeigen und den Turnstandort Stuttgart nachhaltig prägen werden. Die Ausgangslage für das Finale ist komplex, aber keineswegs negativ: Stuttgart bringt trotz der Ausfälle Erfahrung, Struktur, junge Talente und internationale Trainerkompetenz mit. Das Team weiß, wie man Finals turnt und wie man sich unter Druck behauptet. Entscheidend wird sein, wie stabil die Übungen an diesem Tag kommen, wie die Mannschaft die emotionalen Faktoren bündelt und wie die taktische Geräteaufstellung ohne Kevric und Mayr aufgeht. Stuttgart reist nicht als Topfavorit, aber als gefährlicher, erfahrener Gegner nach Heidelberg – und niemand unterschätzt einen Serienmeister, der etwas zu beweisen hat.

Schreibe einen Kommentar